Zehntscheuer

Martin Fromme: Deutschlands einziger asymmetrischer Komiker


Am letzten Freitag gastierte Martin Fromme aus Wanne-Eickel (Guantanamo des Ruhrgebietes) in der Zehntscheuer. Sein Programm mit dem Titel "Besser Arm ab als arm dran" begeisterte das ausverkaufte Haus. Stand-Up-Comedy, Filmschnipsel und sehr aussagekräftige Fotos sind an sich noch nichts Besonderes. Wenn man allerdings weiß, dass dem Künstler der linke Unterarm fehlt und seine Botschaft der unbefangene Umgang mit Behinderungen ist, wird so ein Abend was ganz Besonderes. Er erzählt von sich, dass sein Armstumpf möglicherweise eine ganz spezielle Schnitzarbeit aus dem Erzgebirge sei; oder haben ihm die Nonnen im Kloster den linken Arm abgeschnitten, damit er nicht mehr mit Links schreibt? Vielleicht ist ihm auch beim Fingerhakeln ein Malheur passiert. Oder hat gar sein Vater beim Durchschneiden der Nabelschnur nicht aufgepasst?

Die hippen Themen von Inklusion und Behinderten werden gnadenlos zerpflügt und man erwischt sich dabei über die vielleicht selbst beobachtete Hilflosigkeit bei dem Umgang mit behinderten Menschen herzhaft zu lachen. Fromme bringt das Thema mit sehr besonderem Blickwinkel. Zum Beispiel: Darf man einen Menschen im Rollstuhl fragen: „Wie geht’s?“. Und warum gibt es keine Sexfilme speziell für behinderte Menschen? Ok, der dabeistehende Gebärdendolmetscher hätte keinen einfachen Job! Und die Fiktion, dass ohne Behinderung zu sein die Ausnahme wäre, führt dann zur bildhaften Darstellung einer Geburt der besonderen Art. Politisch unkorrekt, aber wahnsinnig lustig. Auch die Beispielfotos von Beschilderungen und Wegeführungen für Rollstuhlfahrer zeigen wunderbar, wie wenig bei diesen Sachen nachgedacht wird.

Martin Frommes Einsatz mit der versteckten Kamera zeigte echte Highlights. So fragt eine blinde Frau mit Blindenführhund nach dem Weg; und bittet den Passaten es dem Hund zu erklären, weil sie ja nicht sehen könne. Sie glauben gar nicht wie viele Leute dies dann machten.

Manchmal wird es so ironisch, dass es fast weh tut. Fromme: “Ich nehme ab und zu eine Contergan -Pille um mich aufzufrischen; stellen Sie sich vor, mein Arm wächst wieder nach! Da wäre mein Geschäftsmodell ja gefährdet“.

Gut, seine Vorschläge für den beruflichen Einsatz von Behinderten (Blinden können doch gut riechen; Ersatz für Drogenspürhunde?) sind noch nicht ganz zu Ende gedacht. Allerdings ist es wahr, dass in einer deutschen Behindertenwerkstatt Bauteile für Landminen hergestellt wurden.

Es war wieder ein Kabarettabend der besonderen Art in der Zehntscheuer; abseits des üblichen Comedy Klamauks; anspruchsvoll und lustig, aber es brachte die sehr zufriedenen Zuschauer auch zum Nachdenken.

rg

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